22.06.2017
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Wassermühlen

Pulheim/Bergheim-Glessen/Rhein-Erft-Kreis:
Mühlenstandorte werden wissenschaftlich aufgearbeitet

In Kooperation mit dem Mühlenverband Rhein-Erft-Rur e.V. wird 2009/2010 Dr. Ralf Kreiner die Wassermühlenstandorte am Pulheimer Bach und seinen Nebengewässern wissenschaftlich aufarbeiten. Die Wassermühlenstandorte sollen zu Erzählstationen im Rahmen des Erlebnispfades zusammengefasst werden.

Siehe auch: www.muehlenverband-rer.de


Wassermühlen am Pulheimer Bach
Kurzfassung nach den hier vorhandenen/bekannten Unterlagen
Im Rahmen des Regionaleprojektes 2010 ist eine begleitende Dokumentation und ein wissenschaftlicher Fachbeitrag, in Kooperation mit dem Mühlenverband Rhein-Erft-Rur e.V., vorgesehen.


Vorbemerkung
Im Vergleich zu Windmühlen galten Wassermühlen als die besseren Anlagen, so dass man in Gegenden, wo Bäche oder Flüsse mit genügendem Gefälle zur Verfügung standen, stets den Bau von Wassermühlen bevorzugte.
Demzufolge waren z.B. in der Rheinprovinz das ganze 19. Jahrhundert hindurch mehr Wassermühlen als Windmühlen vorhanden.
1852 zählte man in der preußischen Rheinprovinz 5.933 Wasser- und 253 Windmühlen. Im Regierungsbezirk Köln lässt sich das Verhältnis eine Windmühle auf zehn Wassermühlen berechnen.


01 Pletschmühle
Bachkilometer 0,0 km
Um 13. Jh. – um 1930, ein Mahlgang, an der Kante zur Niederterrasse, vor der Großen Laache (alter Rheinarm), östlich von Pulheim gelegen, deshalb oberschlägig. Im 19. Jh. nach der Säkularisation kaufte sie der Flößer und Bankier Daniel Koch aus der Sequester der französischen Verwaltung des Kirchengutes, mit 110 Morgen Land. 1842 auf seinen Antrag durch „Allerhöchste Kabinettsorder“, König Friedrich Wilhelm IV, Erhebung des Besitzes zum landtagsfähigen Rittergut Orr mit Kriegshof, Bayershof und Altenhof.
Zwei Stauteiche, einer vor der Mühle und einer 200 m oberhalb mit Überleitung in eine Sickergrube, auch als Fischteiche eingerichtet, bildeten die Wasserreserve.
Das Mühlengebäude ist noch vorhanden und wird heute als Reiterhof genutzt. Die Pulheimer Schöffen und Gemeindevorsteher Ferdinand Decker (Schöffe), Peter Jansen (Schöffe), P. Philip (Vorsteher) und Herm. Decker (Vorsteher) bescheinigten dem Müller Heinrich Schieffer von der Pletschmühle in Pulheim, beim Rückzug der kaiserlichen Truppen völlig geplündert und verwüstet worden zu sein, so dass er nicht mehr in der Lage war die Mühlenpacht für 1794 zu zahlen.
In der historischen Karte 2445 von 1720 Jh. über die Wasserläufe und Straßen bei Brauweiler mit Bell, Groß- und Kleinkönigsdorf, Dansweiler, Glessen, Sinthern, Freimersdorf, Lövenich, Widdersdorf und Pulheim, die die Überschwemmungssituation Richtung Pulheim, nach dem Dammbruch bei Widdersdorf zeigt, ist die Pletschmühle zeichnerisch dargestellt. Im „Lage und Höhenplan des Pulheimer Baches von der Brandbrücke bis Pletschmühle“ von Geometer Simonis, August 1922, sind alle wasserwirtschaftlichen Details festgehalten.
Ob die Mühle zeitweise zur Abtei Brauweiler gehörte und/oder bis zur Säkularisierung Eigentum der Kölner Kartäusermönche war, muss noch erforscht werden.
(u.a. HStAD, Maas u. Rhein 2080)

02 Pulheimer Mühle
Bachkilometer 1,5 km
Vor 1301 Jh. – um 1930, zwei Mahlgänge, am flachen, westlichen Ortsrand von Pulheim gelegen, deshalb unterschlägig. 1301 schenkte Walram von Jülich, Herr von Bergheim, dem St. Georg-Stift in Köln eine Rente, die aus der Mühle zu Pulheim fällig ist, „de molendino nostro sito infra villam Poilheim“*. Grund für die Schenkung war vermutlich ein schlechtes Gewissen. Denn er wollte mit ihr das Unrecht wiedergutmachen, dass er im Streit dem Stift durch Zerstörung ihrer alten Pulheimer Mühle angetan habe. Dies Papier mit der Sühnegabe ist die älteste Urkunde über die Mühle. Nur ein Straßenschild „Zur alten Wassermühle“ erinnert noch an die Mühle. )* Ist noch zu erforschen.
(u.a. 1837 HStAD Reg. Köln 8845, s. P.)

03 Geyener Mühle
Bachkilometer 3,75 km
Vor 962 – um 1950, ein Mahlgang, in Geyen, „Mühlengrund“, an einer Geländekante stehend, oberschlägig. Die Urkunde vom 25. Dezember 962, die Erzbischof Bruno von Köln für das Kölner St. Cäcilienstift ausstellen ließ, nennt eine Mühle in Geyen. Sicher eine Wassermühle, da Windmühlen im hiesigen Raum erst seit dem 13. Jh. bekannt sind. Über den Standort wird nichts ausgesagt. Sicher ist, dass Geyen eine bis ins 10. Jh. zurückreichende Mühlentradition hat. Der Kölner Erzbischof hatte dem Kölner Damenstift St. Cäcilia die Wassermühle in „villa Gegina - Geyen“ geschenkt. 1812 wird sie von den Säkularisations-Buchhaltern zu den Gütern des Kölner Fronleichnamskonvents gezählt und brachte beim Verkauf 15.000 frs. in die Kasse des Herzogs von Wagram.
Der Mühlenteich wurde verfüllt und ist heute ein Sportplatz.
Es ist nicht auszuschließen, dass die dem Cäcilienstift gehörige Mühle an anderer Stelle gestanden hat und später dann durch die Mühle der Fronleichnamsherren abgelöst wurde. Hier muss noch geforscht werden.
(u.a. 1837 HStAD Reg. Köln 8845, s. P.)

04 Sintherner Mühle
Bachkilometer 4,750 km
Um 1500 Jh. – um 1930/40, zwei Mahlgänge, mit Bäckerei, unterhalb einer Geländekante stehend, oberschlägig. Das Backhaus („dat Backhuus“) war bis 1939 in Betrieb. Später wurde nur noch Tierfutter geschrotet. Der heutige Straßenname ist irreführend – Öl wurde hier nie gemahlen. Am 8./9.10.1998 wurde bei Ausschachtungsarbeiten für das Neubaugebiet ein große Mühlstein mit sechs verstellbaren Schäleisen gefunden (Boden- oder Lagerstein). Er stammt aus der Betriebszeit als Schäl- oder Graupenmühle. Frau K., 1924 auf dem großen, vierflügeligen Mühlenhof geboren und in Dansweiler verheiratet berichtet, dass der „Mühlstein unter dem großen Walnussbaum, etwas außerhalb der Hofanlage lag, wo wir Kinder spielten“. Der sehr Fischreiche und durch einen Schilfgürtel eingefasste Mühlenweiher befand sich dort wo sich 1960 der Hochwasserschutzdamm an die Dammstraße anschließt. Das „Aufschlagwasser“ gelangte über eine Tonrohrleitung zum Mühlrad. Der Weiher wurde 1937/38 als Schwimm- und Badeteich genutzt. 1960, beim Bau des Hochwasserschutzdamms wurde er verfüllt. Heute kann man seine ehemalige Lage an einer flachen Geländefläche erkennen.
Hinweis:
Bereits um 1340, unter Abt. Friedrich von Senheim (1321-1359), gab es in Sinthern eine Mühle, die Binxmühle (Bynxmollen).- ob Wind- o. Wassermühle ist offen.
Abt. Johannes I. von Wied (1498-1515) ließ im Gebiet von Sinthern (circa pagum Zynteren) zwei Windmühlen (ventimolam), die eine für Getreide (pro frummentis) und die andere für Öl (pro oleo) erbauen. Hier wird ausdrücklich von Windmühlen gesprochen. In der Aufstellung der französischen Domänenverwaltung vom 27. thermidor an 10 (15. August 1802) ist von einer „Moulin a L`eau“ in Sinthern die Rede.
(u.a. 1837 HStD Reg. Köln 8845, s. P. – HStAD, Roer-Dep 423 IV))

05 Olligsmühle
Bachkilometer 5,5 km
Um 1500 Jh. – 2. H. 19. Jh., ein Schäl- und ein Ölgang, ebenes Gelände, daher unterschlägig. Die Mühle wird 1802 in einer Liste der säkularisierten Güter der Abtei Brauweiler genannt. Dessen Abt Johannes I. (1498-1515) hatte sie gemeinsam mit der Sintherner Mühle anlegen lassen. Zwischen beiden Mühlen sollen sich Fischweiher befunden haben. Sie wurden von Zeit zu Zeit entschlammt. Das Mühlengebäude, am Sintherner Bach, „Dammstraße“, kurz hinter der Mündung des Keuschenbroichgrabens gelegen, ist noch vorhanden. Es wird vom Eigentümer, Familie W., als Wohnhaus genutzt. Mühlsteine des Kollergangs zur Gewinnung von Öl aus den Feldfrüchten lehnen am Nordgiebel. Von hier aus führte früher ein direkter Weg zur Abtei. Der Mühlenweiher wurde zugeschüttet und zu einer Obstwiese umgestaltet durch den der Bach fliest.
Der Mühlenstandort ist in der Karte „Weistum Dingstuhl Bergheimerort“ von Johann Philipp Hoelstein, „von maje und juny 1682“ zeichnerisch dargestellt.
Ob die Mühle zeitweise auch zur Abtei Knechtsteden gehörte, muss noch erforscht werden.
Mühlen gab es schon sehr früh in Sinthern. Bereits im Jahre 1340 wird eine Mühle in der Brauweiler Klosterchronik erwähnt. Um 1500 wurden zwei Windmühlen gebaut, eine für Getreide, die andere für Öl.
(u.a. 1837 HStAD Reg. Köln 8845, s. P. - Historisches Archiv der Stadt Köln 7101, Nr. 617)

06 Abtsmühle
Bachkilometer 6,0, Mündung Abtsmühlengraben, ca. 400 m aufwärts
Vor 1656 Jh. – 1886, ein Getreidemahlgang, am leichten Abhang östlich der Glessener Kirche, am Abtsmühlengraben gelegen, oberschlägig. Sie gehörte zu einem Hof mit Wohnhaus, Stallungen, Remise, Scheune, Backhaus mit Ofen, Mühlenweiher und Gärten, der adligen Familie von der Ehren. 1646 erwarb der Abt der Abtei Brauweiler den Hof und errichtete auf einem dichten Pfahlrost eine Kornmühle und ergänzte sie um eine Ölmühle. Die Kornmühle muss nach dem Tenor des Berichts in den Abtei-Akten Nachfolgerin einer älteren Mühle gewesen sein. Im 19. Jh. wurde die Abtsmühle vom Müller der nahe gelegenen Windmühle mit betreut. 1886 brannte sie nach einem Blitzeinschlag nieder. Heute zeugen nur noch verschiedene Mühlsteine im Eingangs- und Gartenbereich des Abtshofes von der Mühlenvergangenheit.
(1837 HStD Reg. Köln 8845, s. P.)

07 Braunsfelds-Mühle zu Glessen
Bachkilometer 7,250 km
Vor 1312 Jh. – um 1960, zwei Mahlgänge, ein Graupengang, am leichten Hang östlicher Ortsrand von Glessen gelegen, oberschlägig. Erste urkundliche Erwähnung ist ein Tauschvertrag aus dem Jahre 1312 zwischen dem Ritter Rabodo von Odenkirchen mit dem Grafen von Jülich, mit dem der Ritter das Gut Neuhof bei Glessen mit der dazugehörigen „molendino in Glessin sito“ erhielt. Den Neuhof hatte der Jülicher Graf von seinem Bruder Walram von Bergheim geerbt. Um die Mitte des 18. Jh. ging das Gut in den Besitz des Frh. Franz von Braunsfeld und seiner Frau Adelheit Henriette v. Schiller (Dichter) über. Gebäude mit Fachwerkgiebel in Glessen „Am Mühlenteich“ vorhanden. Der letzte Eigentümer, Familie Fabricius, betrieb die Mühle bis 1960. Der Wasserzufluss wurde durch Geometer Heidemann im November 1852 in einer Karte dargestellt. Ein Mühlenteich, auf dem früher auch Kahn gefahren wurde, ist inzwischen bebaut, drei Mühlenteiche, davon noch zwei bespannt und als „Entenmeer“ bekannt, befinden sich im Naturschutzgebiet „Liebesallee“ unterhalb von Gut Neuhof.
(1837 HStAD Reg. Köln 8845, s. P.)

Horst Engel, Pulheim im März 2008

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