Die Große Laache bei Pulheim ist das Relikt einer alten Rheinschlinge inmit­ten des ehema­li­gen Auenwalds. Sie ist das natür­li­che Mündungsgebiet des Pulheimer Bachs, der heute mit dem Übertritt in die Niederterrasse in gut durch­läs­si­gen Bodenschichten versi­ckert. Sie wurde vom alten Rhein vor etwa 18.000 Jahren geschaf­fen. Letztmalig schaute hier der Rhein mit seinem schreck­li­chen Hochwasser im Frühjahr von 1784 und einem Pegelstand von 13.55 Meter vorbei. Damals waren 63 Tote zu bekla­gen. Zum Vergleich: Das Jahrhundert­hochwasser von 1995 hatte einen Pegelstand von 10,69 Meter — also 2,86 Meter gerin­ger als 1784. Durch Eindeichung und Begradigungen des Rheins wird ein solches Hochwasser bis vor die Tore Pulheims aber nicht mehr erwar­tet.

Seit Ende der 60er Jahre nutzt der Erftverband die Große Laache gezielt zur Stützung des Grundwasserhaushalts im Norden der Stadt Köln. Aufgrund des inten­si­ven Versickerungsbetriebs entstand zunächst eine nach heuti­gem ökolo­gi­schem Verständnis unbe­frie­di­gende tech­ni­sche Grabenstruktur mit unzu­rei­chen­den Entwicklungsmöglichkeiten einer natür­li­chen Pflanzen- und Tierwelt. Zudem führ­ten die durch den Pulheimer Bach heran­ge­führ­ten Stickstoff- und Phosphorfrachten zu einer star­ken Eutrophierung und Verschlammung der Gräben.

Der unbe­frie­di­gende Zustand veran­lasste den Erftverband, die Große Laache 1993 nach ökolo­gi­schen Kriterien umzu­ge­stal­ten. Ziel der Maßnahme war — unbe­scha­det der Versickerungsleistung — die Schaffung natur­na­her Biotope durch weit­ge­hen­des Entfernen der tech­ni­schen Strukturen sowie die Verbesserung der Qualität des zuströ­men­den Wassers. Zuvor erprobte und opti­mierte der Erftverband drei Jahre lang ein natur­na­hes Verfahren zur Verminderung der im Übermaß schäd­li­chen Pflanzennährstoffe Stickstoff und Phosphor. Basierend auf den Ergebnissen wurden drei spezi­elle Teiche ange­legt, die eine Aufbereitung des zuflie­ßen­den Wassers ermög­li­chen.

Die Große Laache ist heute eines der weni­gen größe­ren Feuchtgebiete des Rhein-Erft-Kreises. Mit ihren Gräben, Tümpeln, Teichen und wech­sel­feuch­ten Biotopstrukturen ist sie ein wert­vol­les Refugium wasser­ge­bun­de­ner Pflanzen und Tiere. 1999 wurde die Große Laache als Naturschutzgebiet ausge­wie­sen.

Fotos: Andreas Dick, www.mcfly37.de

Ansprechpartner:
Dr. Udo Rose (02271) 88–1295
Dipl.-Ing. Petra Lenkenhoff (02271) 88–1294

Beobachtungskanzel am Ausee

Die Beobachtungskanzel erlaubt die Beobachtung von Flora und Fauna im Auseebereich der Großen Laache, ohne die sensi­ble Natur in diesem wech­sel­feuch­ten und einzig­ar­ti­gen Biotop zu stören. Hier mündet und versi­ckert der Pulheimer Bach. Jährlich etwa 2 Mio. Kubikmeter Bachwasser, in guter Wasserqualität, die den Grundwasserhaushalt im Kölner Norden anrei­chern und den Brunnengalerien des Wasserwerk Köln-Weiler zuflie­ßen. Wanderer, Biker und Naturfreunde haben inzwi­schen die Beobachtungskanzel schät­zen gelernt. Darin steckt auch das nach­hal­tige Konzept des Bachverbandes: Über das Schätzen lernen zum Schützen zu kommen.

Damit erfüllt die Beobachtungskanzel eine wich­tige Funktion der Besucherlenkung. Andere Zugänge zu diesem Biotop, zum Beispiel Trampelpfade, wurden vom Bachverband mit Strauch- und Astschüttungen, so genann­ten Benjeshecken, dauer­haft versperrt. Der Bachverband beob­ach­tet inzwi­schen, dass sich der Waldboden, Flora und Fauna lang­sam erho­len.

Je nach Jahreszeit kann man zum Beispiel Wasservögel, wie das schwarze Bläshuhn, das selte­nere Teichhuhn, Haubentaucher, Stockentenfamilien und Nilgänse beob­ach­ten. Mit etwas Glück und höhe­rem Wasserstand kommen auch schon mal Rostgänse vorbei. Besonders inter­es­sant ist es, wenn der Graureiher einschwebt. Er sucht sich zunächst einen der toten Bäume aus, die mit ihrem grau-braunen Hoz im Wasser stehend, wie große Skulpturen wirken. Anschließend geht er auf die Jagd nach Fischen oder Fröschen. Mit etwas Geduld, einem Fernglas und Glück kann man auch den Eisvogel beob­ach­ten, der sich von Zweigen der am Rand stehen­den Büsche auf kleine Fische stürzt.

Fällt der Ausee trocken, dass ist bei großer Trockenheit gewollt, ändert sich das Bild des hoch­in­ter­es­san­ten Biotops. Der flache Seegrund bekommt die typi­schen großen Trockenrisse und sofort fangen in diesen Rissen zum Beispiel Zwergbinsengesellschaften und der Schlammling an zu keimen. Zusammen mit Wasser-Schwertlilie, Schilfrohr, Binsen, Rohrkolben, Wasserknöterich und Großseggen bilden sie einen sich im Wind wiegen­den grünen Saum. Die Wasservögel wech­seln dann das Revier. Sie nutzen den Pulheimer Bach, der hier nach rund 9 Kilometern mit Bachkilometer 0,0 endet oder sie wählen die Teichkette, ein System von elf Teichen, etwa ein Kilometer lang und im inne­ren Bereich der Großen Laache gele­gen, an deren Ende das Bachwasser in einem Versickerungsschlitz im kiesi­gen Untergrund versi­ckert.

Zu jeder Jahreszeit, auch bei Eis und Schnee, ist die alte Rheinschlinge zwischen Pulheim, über Esch bis zum Worringer Bruch, mit ihren Gräben, Teichen, Senken, Inseln und Halbinseln gut zu verfol­gen. Nur der hohe Rheindeich bei Worringen verhin­dert, dass der Rhein bei Hochwasser “mal eben vorbei­schaut”. Heute sind das Landschaftsschutz- und Naturschutzgebiet Große und Kleine Laache und der Worringer Bruch längst fester Bestandteil einer attrak­ti­ven Naherholungslandschaft und ein Refugium für seltene Flora und Fauna.

Inneres Wehr

Die Wasseraufteilung durch das innere Wehr ist stet Anziehungspunkt für jung und alt. Besonders der fried­lich rauschende Wasservorhang über den Dammbalken, der die Wassermenge für den Hochwasserentlastungsgraben und den wech­sel­feuch­ten Aubereich steu­ert, faszi­niert. Nach den letz­ten star­ken Hochwasserereignissen im August 2010 wurde es nötig, dass die star­ken Auskolkungen besei­tigt werden müssen.

Der Versuch, dies mit schwe­ren aber unver­mör­telt hinein­ge­leg­ten Wasserbausteinen zu machen, schei­terte. Zu groß war wohl die Versuchung Jugendlicher diese schwe­ren Wasserbausteine zum “eige­nen” Dammbau zu benut­zen. Deshalb hat der Bachverband jetzt diese Wassersteine in Beton gesetzt und als so genannte Störsteine, die die Kraft der Hochwasserwelle brechen, schwere Driftblöcke einge­setzt.

Pegel der Großen Laache

Am Ende des Hochwasserentlastungsgraben wurde ein Pegel errich­tet. So können sich Spaziergänger über den aktu­el­len Wasserstand in diesem Gewässerabschnitt, bezo­gen auf die größte Wassertiefe, mit einem Blick und zuver­läs­sig infor­mie­ren. Ein grünes Farbfeld bezeich­net dann die Bandbreite für norma­len Wasserstand. Darunter schließt sich ein gelbes Farbfeld an. Es kenn­zeich­net nied­ri­gen Wasserstand. Oberhalb des grünen Farbfeldes wird ein gelbes Feld Hochwasser markie­ren.

Aufforstung der Wandsäume

Behutsam versucht der Bachverband, als Eigentümer der Großen Laache, durch einen Mix von Sträuchern, die gero­de­ten Waldsäume wieder aufzu­bauen. Benjeshecken unter­stüt­zen diese Bemühungen. Hilfreich wäre es, wenn die Ackerfläche unter den großen Bäumen einbe­zo­gen werden könn­ten.

Renaturierung durch Benjeshecken

Hier kann man beob­ach­ten, wie posi­tiv sich der Schutz aus aufge­schich­te­ten Zweig- und Reisigwällen auf zuvor zertram­pelte Waldbodenflächen auswirkt:

Dieses Bild entstand am Prallhang des 18.000 Jahre alten Rheinarms, am Rande des Spazierweges durch das Naturschutzgebiet Große Laache, etwa in Höhe des ober­halb gele­ge­nen Kieswerkes. Vor dem Aufschütten von Zweig- und Reisigwällen, so genann­ten Benjeshecken, im Bild rechts als dunk­ler Streifen gut erkenn­bar, hatte sich vom Kieswerk aus begin­nend, ein brei­ter Trampelpfad hinun­ter zum Bach gebil­det. Von Mountainbikern, Spaziergängern und Hundeführern als Abkürzung und im Winter auch von Rodlern bis zur Bachböschung genutzt. Der empfind­li­che Waldboden wurde völlig zerstört.

Jeweils im Winterhalbjahr und bei stren­gem Frost, haben die Mitarbeiter des Bachverbandes Lkw-Ladung um Lkw-Ladung Zweige, Äste und Reisigladungen heran­ge­fah­ren und von Hand zu Benjeshecken aufge­schüt­tet. Wie mühsam diese Arbeit ist zeigt, dass für eine nur 5 Meter lange und rund 1,40 Meter hohe Benjeshecke eine komplette Lkw-Ladung nötig ist. Für den Schutz dieses einzig­ar­ti­gen Naturschutzgebietes in “Großstadtnähe” waren deshalb einige Hundert Lkw-Ladungen nötig. Jahr für Jahr muss nach­ge­legt werden, um eine Höhe von etwa 1,40 Meter dauer­haft zu gewähr­leis­ten. An eini­gen Stellen wurden diese Zweige immer wieder von Kindern und Jugendlichen wegge­nom­men, um Waldhäuser, so genannte Tipis zu bauen. Hier war der Bachverband letzt­lich gezwun­gen, solche Abschnitte zusätz­lich durch einen Wildzaun zu schüt­zen.

Die Ausdauer trägt inzwi­schen Früchte: Der ehemals zertram­pelte und verfes­tigte Waldboden erholt sich. Das gilt auch für bestimmte Waldabschnitte im Hauptquellgebiet des Pulheimer Baches, dem Naturschutzgebiet “Liebesallee, am Ortsrand von Bergheim-Glessen. Der jetzt wieder dicht geschlos­sene und in einem frischen Grün leuch­tende Kräuter- und Gräserteppich ist wieder eine wahre Augenweide. Naturfreunde wissen, dass der Waldboden eine wich­tige Funktion hat: Wurzelwerk festigt den Boden und vermin­dert die Erosion. Ähnlich einem Schwamm wird Regenwasser im Boden gespei­chert und der Oberflächenabfluss gemin­dert. Der Wald kann gedei­hen und seine wich­tige Funktion als Kohlenstoffsenker erfül­len. Kurz: Gelebter Klimaschutz. So entsteht insge­samt ein wert­vol­les Rückzugsgebiet für scheue Tiere wie der Feuersalamander, die Waldspitzmaus, Ziesel, Gartenschläfer, Haselmaus, Siebenschläfer, Eichhörnchen, Rehe, Eichelhäher, Gebirgsstelze, Wacholderdrossel, Graureiher, Eisvogel, grün­fü­ßi­ges Teichhuhn und großer Buntspecht, um nur einige Arten der dorti­gen biolo­gi­schen Vielfalt zu nennen. Aber auch an sommer­li­chen Hitzetagen schät­zen Spaziergänger in der Großen Laache die dort um 4 bis 5 Grad Celsius nied­ri­gere Lufttemperatur als wahre Wohltat für ihren gestress­ten Kreislauf.

Fischtreppe